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Viele Wege führen nach Rom!

Wir befinden uns im Jahre 6 n. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt ... Ganz Gallien? Nein! Der von unbeugsamen Drachen­fliegern bevölkerte Flugplatz Hinterweiler in der Eifel leistet erbitter­ten Widerstand.

So hätte die Geschichte damals beginnen können. Gott sei Dank leben wir im Jahre 2006 und haben das Glück, Hightech flie­gen zu dürfen. Selbst für Obelix hätten wir heute einen passenden Drachen.

Image Was auch im „Flachland" alles möglich ist, wenn man nur einen Flugplatz zum UL-Schlepp hat, möchten wir anhand der Aktivitäten auf der Fly-Ranch Hinterweiler in einer mehrteiligen Serie erzählen.

Den Anfang macht Thomas, unser erster Umsteiger vom Gleitschirm auf den Drachen. Er schildert, wie er den Umstieg erlebt und welche Erfahrungen er gemacht hat. Im nächsten Heft wird unser Fluglehrer Dirk als Mentor von Leo den fliegerischen Werdegang dieses Jugendlichen erläutern und uns dabei auch über den Tellerrand einer Fly-Ranch hinausblicken lassen.

Ein Vereinsmitglied des DFC-Vulkaneifel wird uns in einem dritten Artikel erläutern, wieso er ausgerechnet jetzt die Ausbildung zum Tandemdrachenpiloten in Hinterweiler gemacht hat, und vieles mehr.

Der Flugplatz Hinterweiler ist gut organisiert. Für die Schleppmaschinen sind die Eigentümer, für die Organisation des Schleppbetriebes die Mitglieder des DFC-Vulkaneifel verantwortlich. Im Team betreibt man neben dem normalen Schleppbetrieb auch die Ausbildung. Dabei steht hier Team nicht für die übliche Abkürzung - toll ein anderer macht's - nein, die Arbeit wurde hier wirklich auf viele Schultern verteilt.

So werden routinierte Drachenflieger des Vereins zu Tandempiloten ausgebildet, um normale Passagierflüge, für die es immer mehr Interessenten gibt, durchzuführen und so die Fluglehrer zu entlasten.

Mit vier Fluglehrern wurde eine intensive Kooperation eingegangen. Ein Fluglehrer betreut die Schüler beim normalen Schleppschein, die drei anderen kümmern sich um die Ausbildung im Doppelpack. „Prinzenerziehung" steht hier an, denn im Einzelunterricht kann man in der Luft sehr genau auf die jeweiligen Wünsche und Probleme der Schüler eingehen.

Eine solche Ausbildung hat Thomas gemacht, als er vom Gleitschirm auf den Drachen umgestiegen ist. Hier sein Bericht.

ImageMeine Gleitschirm-Lizenz hatte ich bereits 1998 erworben. Obwohl ich eigentlich schon immer lieber einen Drachen fliegen wollte, lag die Entscheidung für den Gleitschirm gegen den Drachen damals für mich auf der Hand: Ein Schirm war zunächst mal günstiger in den Anschaffungskosten und natürlich leichter zu transportieren. Wenn man am Wochenende fliegen gehen wollte, war ein Gleitschirm wesentlich praktischer, und in der kleinen Studentenbude nahm er auch nur wenig Platz ein. Aber mir war schon klar: Ein Drachen besitzt aufgrund der starren Konstruktion erheblich größere Sicherheitsreserven als ein Schirm.

Nachdem ich die Prüfung bestanden hatte, bin ich fast ausschließlich im Mittelgebirge geflogen. Da stellten sich dann schon bald neben den Vorteilen auch die Nachteile des „Tütenfliegens" heraus: Ein freies Wochenende, laut Wetterbericht fliegbare Bedingungen. Wenn die Entscheidung auf ein geeignetes Fluggebiet gefallen war, war man mindestens eine Stunde unterwegs. Dann vor Ort die ernüchternde Erkenntnis: Der Wind hatte gedreht, an einen Flug war nicht mehr zu denken, und für die Fahrt zu einem alternativen Flughang war es schon zu spät. Dies führte dazu, dass die Anzahl meiner Flüge im Jahr sehr überschaubar wurde.

Die mangelnde Routine trug nicht gerade zur Ausprägung von Sicherheit bei. Ein weiterer Nachteil des Gleitschirmfliegens im Mittelgebirge sind die doch vielfach schwierigen Startplätze bzw. Fluggebiete. Ein Auge in Auge mit Baumkronen war häufig nicht vermeidbar ... und einige Baumlandungen leider auch nicht.

Bei der Hessenmeisterschaft 2004 in Greifenburg habe ich viele Drachenflieger kennen gelernt, und bald stand mein Entschluss fest: Ich steige um!

Über Internet erfuhr ich von der Startmöglichkeit über UL-Schlepp. Die Vorteile dieser Variante überzeugten mich sofort: Die Startart ist bei unterschiedlich ausgerichteten Startbahnen unabhängiger von der Windrichtung und das Trike schleppt den Drachenflieger direkt in die Thermik.

In Hinterweiler in der Eifel fand ich einen Flugplatz in meiner Nähe, der diese Möglichkeiten anbot. Leider war dort zu diesem Zeitpunkt die Infrastruktur noch nicht so weit aufgebaut, dass ich dort die Ausbildung hätte machen können. Stattdessen ging ich zu Andreas Becker. Die Umschulung dauerte in der Flugschule „Altes Lager" bei Berlin nur 6 Flugtage. Die Ausrüstung konnte ich dort komplett mieten. Nach nur 5 Flügen auf dem Doppelsitzer Focus stieg ich dann direkt auf einen Einfachsegler, den Icaro Mars, um.

Image Das „Alte Lager" ist ein ehemaliger Militärflugplatz mit riesigen Betonstartbahnen. Als ich beim ersten Start mit der Schlepphilfe direkt den Asphalt unter mir hatte - bei der Ausbildung im Doppelsitzer liegt der Schüler unten, der Lehrer darüber -, wurde mir doch ein bisschen mulmig. Es war ein ganz merkwürdiges Gefühl, den Aspalt so nah unter mir zu wissen.

Die erste Landung mit dem Drachen empfand ich gegenüber meinen früheren Gleitschirmerfahrungen als sauschnell. Die Landeeinteilung mit dem Drachen muss wesentlich größer und genauer sein, hier ist Präzision viel wichtiger als beim Gleitschirm, wo man halt immer noch einen Bogen fliegen kann.

Mit zunehmender Übung stieg mein Vertrauen in den Drachen sehr schnell - mehr als beim Gleitschirm -, da der Kontakt viel dichter ist. In Turbulenzen konnte ich Gas geben, und der Drachen lag immer noch superstabil. Das war beim Gleitschirm so nicht machbar. Bei ruppigem Wetter bestand im unteren Gewichtsbereich schnell die Gefahr eines Klappers.

Das Fluggefühl mit dem Drachen ist einfach ganz anders. Die Fläche ist wie ein Teil von dir; allein schon von der Haltung her ist es dem Vogelflug viel näher. Das ist wirklich fliegen, nicht nur hängen in der Luft!

Nach den anfänglichen Radlandungen kam irgendwann auch die erste stehende Landung: In der Luft umgreifen war angesagt. Beim Landeanflug kam mir die Geschwindigkeit zunächst sehr hoch vor, aber daran gewöhnte ich mich schnell. Das ist überhaupt ein enormer Vorteil der Tandem-Ausbildung: Die Angst vor der höheren Geschwindigkeit des Drachens wird dem Umsteiger dadurch genommen, dass er nicht allein gelassen wird.

Aber dann war es endlich so weit: der erste Alleinflug. Das war schon ein prickelndes Gefühl! Kein Fluglehrer hing mehr über mir, und ich fragte mich unwillkürlich: Wie wird der Vogel reagieren? Hab ich das echt im Griff?

Mit mir zusammen machte noch ein zweiter Gleitschirm-Umschüler die Ausbildung, und wir konnten schnell feststellen: Alle Handgriffe saßen, es ging alles fast schon automatisch. Ich musste gar nicht weiter darüber nachdenken. Bis auf 500 Meter ging es hoch ohne Seilriss.

Natürlich will ich unbedingt auch den Hangstart lernen, aber die Ausbildung im Doppelsitzer mit UL-Schlepp war einfach super. Mit dieser Grundlage sind die Verletzungsrisiken am Übungshang wesentlich geringer, da ich die Grundlagen bereits gut beherrsche.

Zurück in der Eifel stellte sich dann die Frage, welchen Drachen ich mir anschaffen sollte. In Hinterweiler wird mit einem sehr viel schnelleren und moderneren Doppelsitzer ausgebildet, dem BiCo von Bautek. Dadurch kann der Flugschüler auch sofort im Anschluss einen schnelleren Drachen allein fliegen, d. h. ohne Schlepphilfe. Besonders interessant ist, dass die Landeeinteilung mit dem BiCo und dem Sunrise fast identisch ist, sodass der Umstieg vom Doppelsitzer auf den Solo-Drachen beim ersten Alleinflug erleichtert wird.

Also machte ich zusammen mit Karl-Heinz einen Flug im BiCo. Anschließend probierte ich den Sunrise aus. Und war begeistert! Schon der erste Schlepp gelang auf Anhieb: 300 Höhenmeter. Der zweite auf 1000 Höhenmeter! Das Gerät ließ sich hinter dem Trike gut steuern, und dies ohne Gabelseil. Schon nach zwei, drei Schlepps hatte ich den Bogen raus. Auch die Landung stellte kein Problem dar: eine großzügige Landeeinteilung und dann Aufsetzen auf den Luftgummi-Reifen - nicht elegant, aber sicher.

Bereits drei Wochen darauf konnte ich einen gebrauchten Sunrise mein Eigen nennen. Die dann folgenden Flüge verliefen völlig problemlos: Selbst bei thermischen Bedingungen ließ sich das Gerät gut kontrollieren.

Zum Abschluss möchte ich betonen, dass dies mein ganz persönlicher Erfahrungsbericht ist. Jeder neue Drachenflieger muss für sich selbst ausprobieren und entscheiden, welches Gerät das richtige für ihn ist.

Aber eins ist klar: Der Umstieg auf das Drachenfliegen hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt! Die Flugtage haben sich deutlich erhöht. Aus viel Frust ist endlich Lust geworden.

PS: Den Gleitschirm habe ich verkauft ...

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 12. Februar 2010 um 23:18 Uhr
 
 

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